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Lippfische kaufen – sechs Gruppen ehrlich erklärt
Lippfische im Überblick
Lippfische (Labridae) gehören mit über 60 Gattungen und mehr als 500 Arten zu den artenreichsten Familien der Meeresfische. Vom 6 cm kleinen Höhlen-Lippfisch bis zum 50 cm großen Hechtlippfisch, vom friedlichen Planktonfresser bis zum Fischjäger ist alles dabei. Deshalb haben wir sie in sechs Gruppen aufgeteilt – jede mit eigener Seite, Artenvergleich und Haltungstipps. Der Papageifisch Scarus quoyi läuft bei uns unter den großen Lippfischen: Papageifische werden heute zu den Lippfischen gezählt, als Algenweider sind sie aber eine eigene Haltungsgruppe.
| Gruppe | Endgröße | Aquarium | Schläft | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Zwerglippfische Cirrhilabrus, Paracheilinus | 6,5–15 cm | ab 400–600 l | im Gestein | Planktonfresser; je nach Art einzeln, als Paar oder im Harem (1 Männchen, mehrere Weibchen) – nie mehrere Männchen ohne viel Platz |
| Junker Halichoeres | 9,5–30 cm | ab 400–1000 l | im Sand | einige fressen Planarien; große Arten zuletzt einsetzen |
| Perllippfische & Leopardjunker Anampses, Macropharyngodon | 12–42 cm | ab 400–2000 l | im Sand | „Traumfische“, aber empfindlich – Eingewöhnung dauert oft mehrere Wochen |
| Versteck-Lippfische Pseudocheilinus, Wetmorella, Pseudocheilinops | 6–14 cm | ab 80–500 l | im Gestein | Sechsstreifen & Co.: „Kleinfische für Großaquarien“ |
| Große Lippfische Thalassoma, Gomphosus, Coris u. a. | 8–50 cm | ab 400–1500 l | Gestein oder Sand (je nach Art) | Borstenwurmfresser, aber Putzergarnelen gefährdet |
| Putzerlippfische Labroides, Labropsis | 13–15 cm | ab 400–500 l | im Gestein | Nahrungsspezialisten, verhungern oft – besonders einzeln gehalten; Labropsis frisst als Alttier Korallenpolypen |
Händleraussage · Praxis · Wissenschaft
| Oft zu lesen | Unsere Praxis | Wissenschaft |
|---|---|---|
| „Lippfische brauchen immer ein Sandbett“ | Nicht alle. Junker, Perllippfische, Leopardjunker und einige große Arten (Coris-, Hecht- und Bäumchen-Lippfische) graben sich nachts im Sand ein – sie brauchen feinen Sand, bei uns mindestens 4 cm hoch; große Sandschläfer entsprechend mehr Fläche und Höhe (siehe Artprofil). Zwerglippfische, Versteck-Lippfische, Putzerlippfische und Thalassoma schlafen dagegen in Spalten im Gestein. | FishBase beschreibt die Lebensräume entsprechend unterschiedlich: Sand- und Geröllflächen bei Halichoeres, Coris und Macropharyngodon, Gestein und Korallen bei Cirrhilabrus und Pseudocheilinus. |
| „Lippfische fressen Borstenwürmer“ | Unsere Beobachtung: Aquarien mit Lippfischen haben deutlich weniger Borstenwürmer. Welche Art sie frisst, lässt sich aber nicht sagen – und gezielt gegen eine Borstenwurmplage einsetzen lässt sich kein Lippfisch. Thalassoma und andere große Arten fressen Borstenwürmer sichtbar, vergreifen sich aber auch an Putzergarnelen. | Viele Lippfische fressen in der Natur bodenlebende Wirbellose, darunter Würmer (FishBase). Studien zu Borstenwürmern im Aquarium gibt es nicht. |
| „Lippfische fressen Planarien“ | Einige ja: in unserer Praxis Kanarien-Lippfisch (Halichoeres chrysus), H. melanurus, H. leucoxanthus, H. marginatus, die Leopardjunker (Macropharyngodon) und der Sechsstreifen-Lippfisch. | Für den Sechsstreifen-Lippfisch belegt: Im Labor fraß er alle erwachsenen Acropora-Plattwürmer, die Eigelege aber nicht (Barton et al. 2020). Ein Lippfisch allein beseitigt einen Befall also nicht. |
| „Klein – passt ins kleine Aquarium“ | Nicht immer. Sechsstreifen-, Achtlinien- und Streifen-Zwerglippfisch sind „Kleinfische für Großaquarien“: wunderschön, aber sehr aggressiv, auch gegen größere Fische – ab 500 Liter und immer als letzte Fische einsetzen. Auch große Junker verteidigen ihr Revier gegen Neuzugänge. | Zum Verhalten im Aquarium gibt es keine Studien; die Angaben beruhen auf Praxiserfahrung. |
| „Lippfische sind robust“ | Lippfische sind sehr transportempfindlich und springen gut. Perllippfische und Leopardjunker brauchen nach dem Import oft mehrere Wochen (in unserer Praxis rund 4), bis sie stabil sind und gut fressen – einzelne Tiere länger. Putzerlippfische verhungern im Aquarium häufig, besonders in Einzelhaltung. | Perl- und Leopardjunker sind Nahrungsspezialisten für kleine Wirbellose, Putzerlippfische leben in der Natur von Parasiten und Fischschleim (FishBase). |
Was für alle Lippfische gilt
- Lückenlose Abdeckung – Lippfische springen, besonders in den ersten Wochen.
- Sehr transportempfindlich: nach dem Einsetzen Ruhe, Verstecke und gedämpftes Licht bieten.
- Feste Schlafplätze – je nach Gruppe feiner Sand ab 4 cm oder Spalten im Gestein.
- Aggressive Arten wie Sechsstreifen-Lippfisch oder große Junker immer als letzte Fische einsetzen.
- Mehrmals täglich füttern: Frostfutter wie Mysis, Artemia und Copepoden; gut eingewöhnte Tiere nehmen zusätzlich feines Granulat oder Flocken. Nahrungsspezialisten (Perllippfische, Leopardjunker, Putzer) verweigern Trockenfutter anfangs oft.
- Wasser: stabile Riffaquarienwerte; die Temperatur je Art steht im Produktprofil.
Geschlechtswechsel
Viele Lippfischarten sind protogyn: Weibchen können sich später zu dominanten Männchen umwandeln und färben sich dabei oft völlig um. Bei einigen Arten gibt es in der Anfangsphase aber sowohl Weibchen als auch primäre Männchen. Deshalb sehen Jungtiere, Weibchen und Männchen derselben Art häufig sehr unterschiedlich aus – im Handel ist das Geschlecht nicht immer sicher bestimmbar.
Quellen: FishBase (Froese & Pauly); Barton, J. A., Humphrey, C., Bourne, D. G. & Hutson, K. S. (2020): Biological controls to manage Acropora-eating flatworms in coral aquaculture. Aquaculture Environment Interactions 12: 61–66, doi:10.3354/aei00347; PunkCorals-Praxis. Stand: Oktober 2026.
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