| „Zoanthus sind harmlos, nur Palythoa ist giftig“ | So pauschal stimmt das nicht, deshalb gelten bei uns für alle Krustenanemonen dieselben Regeln: Handschuhe beim Hantieren, Kolonien nie außerhalb des Wassers abbürsten, abkochen oder zerschneiden, Spritzer in Augen und Mund vermeiden, danach Hände waschen. Ableger nur unter Wasser und mit Schutzbrille. Im Becken sind die Tiere kein Problem, solange du sie nicht verletzt. | Palytoxin ist eines der stärksten bekannten Naturgifte; es wurde in Palythoa und in Zoanthus-Arten aus dem Aquarienhandel nachgewiesen. Vergiftungen von Aquarianern beim Hantieren mit Kolonien – über Hautkontakt, Spritzer und eingeatmete Dämpfe – sind dokumentiert (Deeds & Schwartz 2010, Toxicon 56: 150–162). |
| „Zoanthus brauchen viel Licht“ | Sie sind tolerant. In unserer Praxis stehen sie unter mittlerem bis starkem Licht am besten und zeigen dort die kräftigsten Farben; auch mit weniger Licht kommen sie zurecht, wachsen dann aber langsamer und die Polypen strecken sich. Direkt unter die stärkste Lampe gehören sie trotzdem nicht ohne Gewöhnung. | Krustenanemonen (Zoantharia) leben wie Steinkorallen mit Zooxanthellen, bauen aber kein Kalkskelett; die Polypen sitzen einzeln oder über ein gemeinsames Gewebe verbunden auf dem Untergrund (Veron 2000). Die Farben stammen aus Zooxanthellen und fluoreszierenden Proteinen, die unter Blaulicht leuchten (allgemeine Korallenbiologie). |
| „Krustenanemonen brauchen Nullwasser“ | Nein. Wir halten sie nährstoffreicher: Nitrat um 5–20 mg/l, Phosphat 0,05–0,1 mg/l. In sehr sauberem Wasser bleiben Zoanthus klein und blass. KH 6–8 °dKH und Calcium 380–420 mg/l halten wir stabil – ohne Skelett sind sie dabei weniger empfindlich als Steinkorallen, Sprünge mögen sie trotzdem nicht. | Die Zooxanthellen brauchen Stickstoff und Phosphor für die Photosynthese; ein Becken ganz ohne Nährstoffe ist kein Riff (Veron 2000). |
| „‚Fire & Ice‘ ist die Art“ | Namen wie Fire & Ice, Watermelon, LA Lakers oder Gatorade sind Handelsnamen für Farbvarianten, keine Artnamen. Am lebenden Tier lässt sich die Art kaum bestimmen; unsere Stücke laufen deshalb als Zoanthus sp. mit dem Handelsnamen dazu. | Zoanthus-Arten sind morphologisch sehr variabel: Mundscheibe, Tentakelkranz und Rand derselben Art können unterschiedlich gefärbt sein, sodass eine Artbestimmung nach Farbe nicht möglich ist (allgemeine Zoantharia-Systematik; Veron 2000). |
| „Krustenanemonen muss man füttern“ | Nein. Sie leben mit ihren Zooxanthellen vom Licht und nehmen feine Partikel aus dem Wasser. Gezielte Gaben von feinem tierischem Plankton werden angenommen und beschleunigen das Wachstum etwas – nötig sind sie nicht, und zu viel Futter verschlechtert die Werte. | Zooxanthellate Nesseltiere decken den größten Teil ihres Energiebedarfs über die Photosynthese der Symbionten und ergänzen ihn durch Partikelfang (Veron 2000). |
| „Zoanthus nesseln nicht, die können überall hin“ | Nesseln tun sie kaum – aber sie wachsen. Eine Kolonie überzieht über Monate den Stein und greift auf das Nachbargestein über, auch auf die Basis von Steinkorallen. Deshalb auf einen eigenen Stein mit Abstand. Stärker nesselnde LPS wie Euphyllia oder Galaxea verätzen Zoanthus in Reichweite ihrer Kehrtentakel. Neue Stücke suchen wir auf Zoanthus-fressende Schnecken und Nacktschnecken ab. | Zoanthus vermehren sich durch Knospung am Kolonierand; die Konkurrenz um Platz im Riff entscheiden sie über Überwachsen, nicht über Nesselkraft (allgemeine Korallenbiologie). Nesselzellen sind das gemeinsame Merkmal aller Nesseltiere (Cnidaria). |