| „SPS brauchen Nullwasser“ | Nein – SPS brauchen nährstoffarmes, aber kein nährstofffreies Wasser. Wir halten sie bei Nitrat 0–3 mg/l (bis etwa 5 mg/l) und Phosphat 0–0,03 mg/l: messbar und vor allem konstant. Ein Becken mit Nullwerten und Ausreißern ist für SPS schlechter als eines mit niedrigen, stabilen Werten. Alle anderen Korallengruppen halten wir nährstoffreicher. | Riffbildende Korallen leben in Symbiose mit Zooxanthellen, die Photosyntheseprodukte liefern; die Symbionten brauchen dafür Stickstoff und Phosphor (Veron 2000). Ein Minimum an Nährstoffen ist deshalb Voraussetzung, nicht Problem. |
| „SPS brauchen 250–500 PAR“ | Wir geben keine PAR-Werte an, weil sie ohne Messgerät niemandem helfen. Unsere SPS stehen unter starkem Licht in der oberen bis mittleren Zone – nach dem Umsetzen aber zunächst tiefer, und dann über ein bis zwei Wochen höher. Zu abrupt unter Starklicht gestellt bleichen SPS aus; zu wenig Licht macht sie braun. | Acropora, Montipora und die Pocilloporidae besiedeln im Riff vor allem lichtreiche Riffdächer und obere Hänge (Veron 2000). Die Färbung hängt von der Dichte der Zooxanthellen und von fluoreszierenden Proteinen im Gewebe ab; unter zu starkem Licht reduziert die Koralle Symbionten und bleicht aus (allgemeine Korallenbiologie). |
| „Für schnelles Wachstum KH auf 8–10 anheben“ | Wir halten SPS bei KH 6–8 °dKH und Calcium 380–420 mg/l – nah am natürlichen Meerwasser. Entscheidend ist nicht der hohe Wert, sondern dass er nicht schwankt: Sprunghafte KH-Änderungen sind in unserer Praxis der häufigste Grund für Gewebeverlust an Basis und Astspitzen. | Steinkorallen bauen ihr Skelett aus Aragonit (Calciumcarbonat) und entnehmen dem Wasser Calcium und Karbonat (Veron 2000). Natürliches Riffwasser liegt bei etwa 7 °dKH und rund 400 mg/l Calcium – höhere Werte beschleunigen das Wachstum nicht automatisch. |
| „SPS sind nur etwas für Profis“ | SPS brauchen viel Licht, hohe Strömung und stabile, nährstoffarme Werte – also ein eingefahrenes Becken, nicht das erste Vierteljahr. Wer das hat, kann mit Montipora, Stylophora, Pocillopora oder Seriatopora anfangen; Acropora kommt in unserer Praxis danach. | „SPS“ und „LPS“ sind Handelsbegriffe, keine wissenschaftlichen Gruppen. Veron (2000) ordnet die Gattungen nach Familien: Acropora und Montipora stehen in den Acroporidae, Pocillopora, Stylophora und Seriatopora in den Pocilloporidae – die Polypengröße sagt nichts über die Verwandtschaft. |
| „SPS muss man füttern, damit sie bunt werden“ | Füttern musst du nicht – SPS leben mit ihren Zooxanthellen vom Licht, die winzigen Polypen nehmen allenfalls feinste Partikel auf. Die Farben kommen von Licht und stabilen Werten; zu viel Futter treibt nur Nitrat und Phosphat nach oben, und dann werden SPS braun. | Zooxanthellate Korallen decken den größten Teil ihres Energiebedarfs über die Photosynthese der Symbionten, ergänzen ihn aber durch Planktonfang (Veron 2000). Die leuchtenden Farben stammen aus körpereigenen fluoreszierenden Proteinen, das Braun aus den Zooxanthellen (allgemeine Korallenbiologie). |
| „SPS nesseln nicht, die kann man überall hinsetzen“ | SPS nesseln kaum – sie sind eher die Leidtragenden. Kehrtentakel von LPS wie Euphyllia, Favia oder Chalice verätzen SPS-Gewebe in Reichweite, deshalb Abstand. Untereinander konkurrieren SPS über das Wachstum: Montipora-Platten überwachsen langsamere Nachbarn. Neue Stücke prüfen wir auf Acropora-fressende Strudelwürmer und Montipora-fressende Nacktschnecken. | Nesselzellen sind das gemeinsame Merkmal aller Nesseltiere (Cnidaria); Kehrtentakel sind ein Mechanismus der Konkurrenz um Platz im Riff (allgemeine Korallenbiologie). Schnell wachsende Acroporidae gewinnen diese Konkurrenz im Riff meist über Wachstum und Beschattung (Veron 2000). |