| „Weichkorallen verbessern die Wasserqualität“ | Ein Filter sind sie nicht. Weichkorallen nehmen gelöste Nährstoffe auf, ersetzen aber weder Abschäumer noch Wasserwechsel – und sie brauchen diese Nährstoffe: Wir halten sie nährstoffreicher, Nitrat um 5–20 mg/l, Phosphat 0,05–0,1 mg/l. In sehr sauberem Wasser bleiben Lederkorallen klein und blass. | Weichkorallen (Octocorallia) leben wie Steinkorallen mit Zooxanthellen, die Stickstoff und Phosphor für die Photosynthese brauchen; zusätzlich fangen die achtstrahligen Polypen feine Partikel (Veron 2000; Fabricius & Alderslade 2001). |
| „Bei Lederkorallen kann nichts schiefgehen“ | Die Haltung ist leicht – die Wirkung auf die Nachbarn nicht. Lederkorallen geben Terpene ins Wasser ab, die in kleinen Becken mit vielen Weichkorallen Steinkorallen beeinträchtigen können. Regelmäßig gewechselte Aktivkohle und ein Abschäumer halten die Belastung gering. Und: Aus einem handtellergroßen Stück wird über Jahre ein Pilz mit mehreren Dezimetern Durchmesser. | Weichkorallen der Familie Alcyoniidae (Sarcophyton, Lobophytum, Sinularia) produzieren Terpenoide, die als chemische Abwehr gegen Fressfeinde und als Mittel in der Konkurrenz um Platz wirken (Coll 1992). |
| „Meine Lederkoralle ist geschlossen und glänzt – sie stirbt“ | In der Regel ist das die Häutung: Sarcophyton und Lobophytum stoßen regelmäßig eine dünne Haut ab, um Algen und Ablagerungen loszuwerden. Dabei bleiben sie einige Tage geschlossen und wirken matt oder glänzend. Prüfe Strömung, Licht und Wasserpflege erst, wenn die Koralle deutlich länger als eine Woche zu bleibt oder Gewebe weich wird. | Lederkorallen scheiden periodisch eine wachsartige Oberflächenschicht ab und werfen sie mit anhaftendem Bewuchs ab – ein normaler Reinigungsvorgang (Fabricius & Alderslade 2001). |
| „Weichkorallen brauchen 24–26 °C, pH 8,1–8,4 und mindestens 100 Liter“ | Wir halten sie bei 24–27 °C, KH 6–8 °dKH und Calcium 380–420 mg/l – wie alle unsere Korallen, vor allem stabil. Eine Mindestbeckengröße gibt es nicht; entscheidend ist der Platz: Lederkorallen werden groß und beschatten, was unter ihnen steht. Weichkorallen vertragen Schwankungen besser als Steinkorallen, mögen sie aber auch nicht. | Octocorallia bauen kein massives Kalkskelett, sondern stützen sich auf ledriges Gewebe mit winzigen Kalknadeln (Skleriten); sie sind deshalb weniger von KH und Calcium abhängig als Steinkorallen (Veron 2000; Fabricius & Alderslade 2001). |
| „Weichkorallen muss man füttern“ | Nein. Alle Gattungen hier leben mit ihren Zooxanthellen vom Licht und nehmen feine Partikel aus dem Wasser. Gezielte Gaben von feinem tierischem Plankton werden angenommen, nötig sind sie nicht – zu viel Futter verschlechtert nur die Werte. | Zooxanthellate Weichkorallen decken den größten Teil ihres Energiebedarfs über die Photosynthese der Symbionten; die Polypen mit acht gefiederten Tentakeln filtern zusätzlich feine Partikel aus dem Wasser (Fabricius & Alderslade 2001). |
| „Weich- und Steinkorallen passen immer zusammen“ | Mit Abstand ja. Weichkorallen nesseln kaum und sind gegenüber Kehrtentakeln von Euphyllia oder Favia die Leidtragenden; umgekehrt setzen sie sich chemisch und durch Wachstum durch. Berührungen vermeiden, Aktivkohle einsetzen, Xenia und Affenhaar auf eigene Steine – dann funktioniert das Mischbecken. | Nesselzellen sind das gemeinsame Merkmal aller Nesseltiere (Cnidaria); Weichkorallen setzen in der Konkurrenz um Platz eher auf chemische Abwehr und Überwachsen als auf Nesseln (Coll 1992). |