Zwerglippfische – bunte Freiwasserschwimmer mit spektakulärer Balz

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    Was Zwerglippfische ausmacht

    Zwerglippfische der Gattungen Cirrhilabrus (Feenlippfische) und Paracheilinus (Fahnen- oder Flasher-Lippfische) gehören zu den farbenprächtigsten Fischen im Riffaquarium. Sie schwimmen tagsüber im Freiwasser über dem Riff und fressen Zooplankton. Besonders eindrucksvoll ist die Balz: Die Männchen spreizen die Flossen und zeigen innerhalb von Sekunden leuchtende Balzfarben. Paracheilinus-Arten bleiben meist etwas kleiner und tragen bei den Männchen auffällig verlängerte Rückenflossenstrahlen.

    Händleraussage · Praxis · Wissenschaft

    Über Zwerglippfische kursieren einige Pauschalaussagen. So sieht es bei genauerem Hinsehen aus:

    Oft zu lesenUnsere PraxisWissenschaft
    „Riffgeeignet“Ja: Korallen, Garnelen und andere Wirbellose bleiben in Ruhe. Entscheidend sind genug Schlafplätze im Gestein und eine lückenlose Abdeckung.Zooplanktonfresser, die im Freiwasser über dem Riff fressen (FishBase).
    „Zwerglippfische graben sich nachts im Sand ein“Nein – das steht in vielen Beschreibungen, stimmt für Zwerglippfische aber nicht. Jeder Fisch hat seinen festen Schlafplatz in Spalten im Gestein. In schlecht gegliederten oder sehr minimalistisch eingerichteten Aquarien kommt es zu Schlafproblemen und Stress.Cirrhilabrus und Paracheilinus leben über Geröll und Korallen und suchen dort Schutz (FishBase). Eingraben ist typisch für andere Lippfische wie Junker. Dass Zwerglippfische nachts einen Schleimkokon bilden, ist nur aus Aquarienbeobachtungen berichtet; wissenschaftlich untersucht ist das bei Papageifischen.
    „Friedlich – mehrere Männchen kein Problem“Verschiedene Arten lassen sich gut vergesellschaften. Von einer Art aber nur ein Männchen mit drei bis fünf Weibchen halten.In der Natur leben Haremsgruppen mit einem dominanten Männchen; Lippfische sind protogyne Zwitter – Weibchen können sich zu Männchen umwandeln.
    „Klein, passt ins Nano“Klein ja, aber schnelle Dauerschwimmer, die als Harem gehalten werden sollten. Wir empfehlen je nach Art 400 bis 600 Liter.Endgrößen von rund 6,5 bis 15 cm (FishBase).
    „Springen nur bei schlechten Wasserwerten“Nein: Gerade frisch eingesetzte Tiere sind sehr schreckhaft und springen ausgezeichnet – auch bei bestem Wasser.Dazu gibt es keine Studien, aber übereinstimmende Erfahrungen aus der Aquaristik.

    Zwerglippfische im Vergleich

    Alle Arten sind riffsicher und als Harem haltbar. Zuerst die Paracheilinus-, dann die Cirrhilabrus-Arten, jeweils nach Größe sortiert.

    ArtEndgrößeAquariumBesonderheit
    Blauer Zwerglippfisch
    Paracheilinus cyaneus
    7 cmab 400 lspektakuläre Balz
    Eckflossen-Zwerglippfisch
    Paracheilinus angulatus
    7,5 cmab 400 lNeonbalz vor Sonnenuntergang
    Carpenters Zwerglippfisch
    Paracheilinus carpenteri
    8 cmab 400 lTiefwasserart, orange Balz
    McCoskers Zwerglippfisch
    Paracheilinus mccoskeri
    8 cmab 400 lMännchen spreizt Flossen
    Gelbflossen-Zwerglippfisch
    Paracheilinus flavianalis
    8,5 cmab 400 lgroße Gruppen in der Natur
    Gelbrücken-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus flavidorsalis
    6,5 cmab 400 leine der kleinsten Arten
    Sumatra-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus adornatus
    7 cmab 400 lnur vor Sumatra
    Blaukehl-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus cyanogularis
    7 cmab 400 lerst 2018 beschrieben
    Geselliger Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus rubriventralis
    7,5 cmab 400 lRotes Meer, oft als Paracheilinus geführt
    Tonozukas Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus tonozukai
    7,5 cmab 400 llebt in starker Strömung
    Wimpel-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus filamentosus
    8 cmab 400 lFarbwechsel in Sekunden
    Katherines Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus katherinae
    8 cmab 400 lselten im Handel
    Lubbocks Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus lubbocki
    8 cmab 400 lkleine Art
    Sichelschwanz-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus lunatus
    8 cmab 400 lTiefwasserart, sehr selten
    „Deutschland“-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus naokoae
    8 cmab 400 lkann Revier gegen andere Lippfische verteidigen
    Joans Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus joanallenae
    8,5 cmab 400 lBalz am Nachmittag
    Pyles Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus pylei
    9 cmab 400 lTiefwasserart bis 110 m
    Rotflossen-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus rubripinnis
    9 cmab 400 loft als Paracheilinus geführt
    Goldrücken-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus aurantidorsalis
    10 cmab 500 lgoldoranger Rücken
    Dreiecks-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus isosceles
    10 cmab 500 lTiefwasserart, erst 2016 beschrieben
    Langschwanz-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus lanceolatus
    10 cmab 500 lTiefwasserart, lanzenförmige Schwanzflosse
    Temmincks Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus temminckii
    10 cmab 500 lweit verbreitet
    Rotaugen-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus solorensis
    11 cmab 500 lflüchtet bei Gefahr zwischen Korallen
    Pazifischer Prachtzwerglippfisch
    Cirrhilabrus exquisitus
    12 cmab 500 lsehr weit verbreitet
    Rotrand-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus rubrimarginatus
    12 cmab 500 lTiefwasserart
    Schwarzrand-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus melanomarginatus
    13 cmab 600 lgrößere Art
    Blauschuppen-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus cyanopleura
    15 cmab 600 leine der größten Arten
    Gelbseiten-Zwerglippfisch
    Cirrhilabrus ryukyuensis
    15 cmab 600 lim Handel oft „lyukyuensis“

    Haltung im Aquarium

    • Gut gegliederter Riffaufbau mit vielen Spalten: Jeder Fisch braucht seinen eigenen, festen Schlafplatz. Sehr minimalistische Einrichtungen führen zu Schlafproblemen.
    • Lückenlose Abdeckung oder Sprungschutz – Zwerglippfische sind anfangs sehr schreckhaft und springen ausgezeichnet.
    • Harem: ein Männchen mit drei bis fünf Weibchen, Tiere möglichst gleichzeitig einsetzen.
    • Verschiedene Zwerglippfisch-Arten lassen sich gut kombinieren, zwei Männchen derselben Art nicht.
    • Tiefwasserarten anfangs bei gedämpftem Licht eingewöhnen.
    • Wasser: 24–27 °C, Dichte 1,022–1,025.

    Fütterung

    Als Planktonfresser brauchen Zwerglippfische mehrmals täglich kleine Portionen. Gut geeignet sind Frostfutter wie Mysis, Artemia und Copepoden sowie feines Granulat. Nach dem Transport fressen manche Tiere anfangs zögerlich – Ruhe und abwechslungsreiches Frostfutter helfen bei der Eingewöhnung.

    Vergesellschaftung

    Gut: andere Zwerglippfisch-Arten, Fahnenbarsche, Kardinalbarsche, Grundeln und andere ruhige Fische.
    Vorsicht: Zwergbarsche und andere revierbildende Fische – je nach Art und Aquariengröße.
    Ungeeignet: große Raubfische und sehr dominante Arten, die die Zwerglippfische dauerhaft verdrängen.

    Quellen: FishBase (Froese & Pauly); IUCN Red List; Grutter, A. S. et al. (2011): Fish mucous cocoons: the „mosquito nets“ of the sea. Biology Letters 7: 292–294 (Schleimkokon bei Papageifischen); PunkCorals-Praxis. Stand: Oktober 2026.

    Häufige Fragen zu Zwerglippfischen

    Die wichtigsten Antworten aus unserer Praxis – ehrlich und mit Quellen geprüft.

    Verschiedene Zwerglippfisch-Arten lassen sich in ausreichend großen Aquarien gut vergesellschaften. Von einer Art sollte aber nur ein Männchen gehalten werden – zwei Männchen derselben Art vertragen sich nicht.

    Ideal ist ein Harem aus einem Männchen und drei bis fünf Weibchen. Die Tiere sollten möglichst gleichzeitig eingesetzt werden.

    Nein. Das steht oft in Beschreibungen, stimmt für Zwerglippfische aber nicht. Jeder Fisch hat seinen festen Schlafplatz in Spalten im Gestein. Eingraben tun sich andere Lippfische wie die Junker.

    Häufig fehlen sichere Schlafplätze. In schlecht gegliederten oder sehr minimalistisch eingerichteten Aquarien finden die Tiere keinen festen Platz und kommen nicht zur Ruhe. Mehr Spalten und Höhlen im Riffaufbau helfen.

    Ja, unbedingt. Gerade frisch eingesetzte Zwerglippfische sind sehr schreckhaft und springen ausgezeichnet – auch bei bester Wasserqualität. Ein lückenloser Sprungschutz ist Pflicht.

    Lippfische gehören zu den sehr transportempfindlichen Meerwasserfischen. Stress und Enge im Transportbeutel setzen ihnen stärker zu als vielen anderen Arten. Nach der Ankunft deshalb in Ruhe und bei gedämpftem Licht eingewöhnen, genügend Verstecke anbieten und das Aquarium abdecken.

    Zwerglippfische sind Planktonfresser. Im Aquarium mehrmals täglich kleine Portionen Frostfutter wie Mysis, Artemia und Copepoden sowie feines Granulat füttern.

    Beide sind Zwerglippfische mit ähnlicher Haltung. Paracheilinus-Arten bleiben meist etwas kleiner, die Männchen tragen auffällig verlängerte Rückenflossenstrahlen und balzen besonders spektakulär. Cirrhilabrus-Arten werden je nach Art 6,5 bis 15 cm groß.

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