PVC-Verrohrung im Aquarium richtig auswählen

Kurzfassung aus unserer Werkstatt: d32 heißt 32 mm Rohr-Außendurchmesser – nicht Bohrung, nicht Gewinde, nicht Schlauch. Wer diese vier Maßsysteme auseinanderhält, hat 90 % aller Verrohrungsfehler schon vermieden. Der Rest steht hier unten, mit unseren Standardgrößen für 300- und 600-Liter-Becken.

1. Vier Maße, die nichts miteinander zu tun haben

Rohrmaß (d): Bei PVC-U-Klebeverbindungen steht d für den Außendurchmesser des Rohrs. Ein Rohr d32 hat außen 32 mm und gehört in eine Klebemuffe d32. Innen ist es wegen der Wand kleiner – bei unserem Standardrohr etwa 27–29 mm. Alle Fittings in unserer PVC-Kategorie sind nach diesem Maß sortiert.

Gewinde (G): „G 1" ist eine Gewindegröße, kein Millimetermaß. Das Außengewinde misst etwa 33 mm, das Rohr dahinter kann d25 oder d32 sein – das sagt dir nur das Bauteil selbst. Zollgewinde sind zylindrisch (ISO 228-1) und dichten über eine Flachdichtung oder einen O-Ring, nicht im Gewinde.

Schlauchmaß: „16/22" ist ein Schlauch mit 16 mm innen und 22 mm außen. Die Tülle wählst du nach dem Innenmaß, also „für 16-mm-Schlauch". Vorsicht bei Silikonschlauch: Dort steht oft Innen-Ø × Wandstärke, zum Beispiel 16 × 3 – das ist derselbe Schlauch, aber anders geschrieben.

Glasbohrung: Das Loch in der Scheibe richtet sich nach der Tankdurchführung, nicht nach dem Rohr. Für ein d32-Rohr brauchst du je nach Durchführung eine Bohrung um 45 mm, für d40 um 50 mm. Das exakte Maß steht bei jeder Durchführung in der Variantenauswahl – und wenn du bei uns ein Becken nach Maß bestellst, bohren wir passend zur gewählten Durchführung.

2. Passt das zusammen? Zwei Tabellen zum Nachschlagen

Gewinde erkennen: Außendurchmesser messen und mit der Tabelle vergleichen. Das sind gerundete Nennmaße – ein ähnlicher Durchmesser allein reicht nicht, Dichtfläche und Gegenstück müssen passen.

Gewinde (ISO 228-1) Außen-Ø ca. Gänge je Zoll
G ½ 21 mm 14
G ¾ 26,5 mm 14
G 1 33 mm 11
G 1¼ 42 mm 11
G 1½ 48 mm 11
G 2 59,5 mm 11
G 2½ 75 mm 11
G 3 88 mm 11

Schlauch und Tülle: Die Tülle passt zum Innenmaß des Schlauchs. Das Gewinde der Tülle richtet sich nach deiner Pumpe oder deinem Gerät – das sind zwei getrennte Entscheidungen.

Schlauch innen/außen Wandstärke Passende Tülle
12/16 mm 2 mm für 12-mm-Schlauch
16/22 mm 3 mm für 16-mm-Schlauch
19/27 mm 4 mm für 19-mm-Schlauch
25/34 mm 4,5 mm für 25-mm-Schlauch

Schläuche, Tüllen und Schellen findest du unter Verrohrung, Überlauf & Schläuche.

3. Tankdurchführungen: Bauarten und was du prüfen musst

Bauart Wofür Worauf achten
Zwei Klebemuffen Rohr auf beiden Seiten der Scheibe – unser Standard für Ablauf und Rücklauf Verklebt ist verklebt: oberhalb und unterhalb eine lösbare Verschraubung einplanen.
Klebemuffe + Außengewinde Übergang auf Schraubteile, z. B. Kugelhahn mit Innengewinde Das Befestigungsgewinde der Durchführung ist nicht automatisch ein Anschlussgewinde.
Quetschdurchführung Rohr wird geklemmt, lässt sich bei passender Bauart durchschieben – praktisch für Durso-Standrohre Rohrmaterial und Wandstärke müssen zum Klemmring passen.
Durchgehendes Außengewinde Einbauhöhe veränderbar Muttern und Dichtungen brauchen genug Gewinde – Restlänge prüfen.

Fünf Punkte, die wir vor jedem Einbau prüfen:

  1. Wandstärke: Jede Durchführung hat einen zulässigen Glasstärkenbereich. Bei 12- und 15-mm-Scheiben wird es bei kleinen Durchführungen eng – vorher nachsehen.
  2. Dichtung: Die Flachdichtung sitzt zwischen Glas und Flansch, auf der Wasserseite. Kein zusätzliches Silikon, kein Teflonband auf dem Befestigungsgewinde.
  3. Anzug: Handfest, dann Augenmaß. Eine überdrehte Kunststoffmutter reißt eher, als dass sie dichter wird.
  4. Entlastung: Rohre separat abstützen. Das Gewicht einer Rücklaufleitung mit Kugelhahn gehört nicht auf die Bodenscheibe.
  5. Nachbohren: Geklebte Floatglas-Becken lassen sich meist nachträglich bohren, vorgespanntes Glas (ESG) nie. Rand- und Lochabstände klären wir im Einzelfall – schreib uns die Scheibenmaße.

4. Wie viel Wasser passt durch welches Rohr?

Unsere Praxis: Für ein 300-l-Becken verrohren wir Hauptablauf d32, Notablauf d40 und Rücklauf d25. Bei 600 l bleibt der Ablauf gleich (d32 / d40), der Rücklauf wächst auf d32, weil die Rückförderpumpe stärker wird. Größere Becken rechnen wir individuell – melde dich.

Warum das reicht, zeigt die Tabelle. Die Werte sind gerechnete Volumenströme in l/h bei vollständig gefülltem Rohr (Innen-Ø nach ISO 1452, PN10/PN16), gerundet auf 10 l/h:

Rohr 0,5 m/s 1,0 m/s 1,5 m/s
d20 410 820 1.230
d25 640 1.270 1.910
d32 1.050–1.170 2.090–2.350 3.140–3.520
d40 1.630–1.850 3.270–3.710 4.900–5.560
d50 2.570–2.890 5.130–5.780 7.700–8.660
d63 4.060–4.590 8.120–9.190 12.180–13.780

So liest du die Tabelle: Ein Ablauf soll langsam laufen, sonst wird er laut – rechne mit 0,5 m/s. Ein d32-Ablauf schafft so leise rund 1.000 l/h, ein d40 etwa 1.700 l/h. Druckleitungen (Rücklauf) dürfen 1–1,5 m/s laufen; d25 trägt dann 1.300–1.900 l/h, d32 rund 2.000–3.500 l/h. Das ist genau der Bereich, in dem eine Rückförderpumpe für 300–600 l arbeitet.

Der Notablauf muss den kompletten Rückförderstrom allein schaffen, falls der Hauptablauf verstopft – deshalb ist er bei uns immer eine Stufe größer und bleibt ungedrosselt, ohne Hahn, ohne Standrohr-Kappe.

Pumpe nicht nach der Maximalangabe kaufen. „5.000 l/h" gilt bei null Förderhöhe. Mit 1,5 m Höhe, zwei Winkeln und einem Kugelhahn bleibt davon oft die Hälfte. Jeder 90°-Winkel kostet etwa so viel wie 1 m Rohr, ein 45°-Winkel die Hälfte – deshalb bauen wir, wo es geht, mit 45°.

5. So bauen wir den Ablauf: Durso

Wir setzen fast immer auf ein Durso-Standrohr: ein Rohr mit Kappe und kleiner Luftbohrung im Ablaufschacht, das den Wasserstand hält und leise arbeitet. Der Vorteil gegenüber Vollsiphon-Systemen: Du brauchst kein Feinregulierventil im Ablauf, das du ständig nachstellen musst – ein Kugelhahn im Rücklauf reicht, um die Pumpe einzuregeln. Dazu ein L-förmiges Überlaufgitter am Schacht, das die Oberfläche abzieht und Schnecken draußen hält – das L-Profil lässt sich auf Länge schneiden und ist stabiler als die flachen Kämme.

Was du dafür brauchst – unsere Standardliste:

Teil 300 l 600 l
Tankdurchführung Hauptablauf 1 × d32 1 × d32
Tankdurchführung Notablauf 1 × d40 1 × d40
Tankdurchführung Rücklauf 1 × d25 1 × d32
PVC-U Rohr je 1 Stange d25 / d32 / d40 je 1 Stange d32 / d40
Lösbare Verschraubung 2 × (vor und nach der Pumpe) 2 ×
Kugelhahn im Rücklauf 1 × d25 1 × d32
Überlaufgitter L-Form 1 × 60 cm, auf Schachtlänge geschnitten
Winkel 45° / 90°, Endkappe fürs Standrohr nach Leitungsverlauf
Tangit Kleber + Reiniger 1 × 250 ml Kleber, 1 × 125 ml Reiniger

Rückschlagventile und Durchflussmesser setzen wir nur selten ein – ein Rückschlagventil ersetzt kein ausreichend großes Technikbecken. Rechne lieber aus, wie viel Wasser bei Pumpenstopp zurückläuft (Beckenoberfläche × Höhe bis Überlaufkante plus Rohrinhalt), und halte im Technikbecken diese Reserve frei.

6. Kleben und Abdichten ohne Ärger

  1. Leitungsweg planen, Verschraubungen und Platz zum Ausbauen einrechnen, alles trocken zusammenstecken.
  2. Rohr rechtwinklig schneiden, innen und außen entgraten, Ende leicht anschrägen.
  3. Einstecktiefe markieren und einen Strich über Rohr und Fitting ziehen, damit du die Ausrichtung beim Fügen wiederfindest.
  4. Rohrende und Muffe mit Tangit Reiniger entfetten, ablüften lassen.
  5. Tangit Kleber in Längsrichtung auftragen: im Fitting dünn, auf dem Rohr satt.
  6. Sofort bis zum Anschlag einschieben, nicht drehen, ein paar Sekunden halten. Überschuss abwischen.
  7. Leitung spannungsfrei abstützen und aushärten lassen – bei kleinen Durchmessern reicht meist über Nacht, bei d50 aufwärts und Kälte länger. Angabe auf der Dose gilt.
  8. Erst spülen, dann Dichtigkeit prüfen, dann ans Becken.

Dichtregel: Zylindrische G-Gewinde (alles mit Überwurfmutter, Verschraubungen, Durchführungen) dichten über Flachdichtung oder O-Ring – da gehört kein Teflonband hin. Nur kegelige Gewinde (R/Rp, selten im Aquarienbau) dichten im Gewinde und brauchen Band oder Faden. Kunststoffmuttern nie mit der Rohrzange nachziehen.

7. Zehn Fehler, die wir ständig sehen

  1. Rohrmaß = Bohrung gedacht. Bohrung richtet sich nach der Durchführung. Vor dem Bohren die Durchführung kaufen, nicht umgekehrt.
  2. Schlauch falsch gelesen. 16 × 3 und 16/22 ist derselbe Schlauch, 16/22 und 22 × 3 nicht.
  3. Wandstärke übersehen. Durchführung passt nicht über die Scheibe – vorher Glasstärkenbereich prüfen.
  4. Rohrgewicht auf der Scheibe. Leitungen separat abstützen.
  5. Notablauf gedrosselt oder zu klein. Er muss allein den vollen Rückförderstrom schaffen.
  6. Pumpe nach Maximalangabe gekauft. Förderhöhe und Winkel abziehen.
  7. Zu viele 90°-Winkel. Jeder kostet Durchfluss – 45° oder langer Bogen.
  8. Klebefehler. Grat, kein Reiniger, nach dem Fügen gedreht, zu früh Wasser drauf.
  9. Falsch abgedichtet. Teflonband auf G-Gewinden, überdrehte Muttern.
  10. Keine Reserve im Technikbecken. Bei Pumpenstopp läuft es über.

8. Häufige Fragen

Ist 25-mm-Rohr gleich 25-mm-Bohrung?

Nein. 25 mm ist der Rohr-Außendurchmesser; die Bohrung richtet sich nach der Durchführung und liegt für d25 typischerweise um 35 mm. Das Maß steht bei jeder Durchführung in der Variante.

Brauche ich Teflonband?

Nicht bei Verschraubungen, Durchführungen und Überwurfmuttern – die dichten über Flachdichtung oder O-Ring. Nur kegelige Gewinde dichten im Gewinde, und die sind im Aquarienbau selten.

Welches Rohr für den Notablauf?

Eine Stufe größer als der Hauptablauf und ungedrosselt. Bei uns: Hauptablauf d32, Notablauf d40 – das deckt Becken bis 600 l ab.

Kann ich mein Becken nachträglich bohren lassen?

Floatglas meist ja, ESG nie. Schick uns Scheibenstärke, Maße und die gewünschte Position, dann sagen wir dir, ob und wo.

Grau, weiß oder transparent – gibt es einen Unterschied?

Technisch nicht, alle sind PVC-U und lassen sich untereinander verkleben. Weiß sieht im Unterschrank sauberer aus, transparent zeigt Ablagerungen, grau ist Industriestandard und am günstigsten.

Wie lange muss der Kleber aushärten?

Für drucklose Leitungen bis d40 reicht in der Werkstatt meist über Nacht; bei großen Durchmessern, Druckleitungen und kaltem Keller länger. Die Angabe auf dem Gebinde hat Vorrang.

Welche Tülle passt zu meinem Schlauch?

Die mit dem Innenmaß deines Schlauchs: 16/22-Schlauch → Tülle für 16 mm. Das Gewinde der Tülle muss zu deiner Pumpe passen, das ist eine zweite Frage.

Warum brauche ich eine lösbare Verschraubung?

Damit du die Pumpe ausbauen kannst, ohne die Leitung zu zersägen. Zwei Stück pro Pumpe, eine davor, eine dahinter. Eine Verschraubung sperrt kein Wasser ab – dafür ist der Kugelhahn da.

Unsicher bei deinem Aufbau? Schick uns eine Skizze mit Beckenmaßen und Pumpe an info@punkcorals.de – wir verrohren seit Jahren eigene Becken und sagen dir, welche Teile du wirklich brauchst.